Tod und Trauer sind zutiefst persönliche Erfahrungen – und doch spiegeln sie auch gesellschaftliche Entwicklungen wider. In der Schweiz wird die Bestattungslandschaft geprägt von einer alternden Bevölkerung, einer der höchsten Kremationsraten Europas, wachsender religiöser Vielfalt und einer im internationalen Vergleich besonders etablierten Sterbehilfe.
Die folgenden Statistiken geben einen umfassenden Überblick über Trends rund um Tod und Bestattung in der Schweiz im Jahr 2026.
1. Rund 72'000 Menschen sterben jährlich in der Schweiz (Bundesamt für Statistik)
Im Jahr 2024 verstarben in der Schweiz 71'942 Personen der ständigen Wohnbevölkerung, davon 35'214 Männer und 36'728 Frauen. Die Zahl bewegt sich seit Jahren stabil im Bereich von rund 70'000 bis 72'000 Todesfällen pro Jahr.
Mit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung wird die jährliche Zahl der Todesfälle in den kommenden Jahrzehnten weiter ansteigen und die Bestattungsbranche grundlegend verändern.
2. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache (Bundesamt für Statistik)
Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen in der Schweiz jedes Jahr über 20'000 Todesfälle und sind damit die häufigste Todesursache. An zweiter Stelle folgen Krebserkrankungen, danach Demenzerkrankungen.
Zusammen sind Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen für deutlich mehr als die Hälfte aller Todesfälle in der Schweiz verantwortlich.
3. Die Lebenserwartung liegt bei rund 84 Jahren (Bundesamt für Statistik)
Die Lebenserwartung bei Geburt lag 2024 bei rund 82,5 Jahren für Männer und 86,0 Jahren für Frauen. Im Schnitt erreichen Schweizerinnen und Schweizer damit ein Alter von knapp 84 Jahren – einer der höchsten Werte weltweit.
Auch die Lebenserwartung ab 65 Jahren ist hoch: Männer können statistisch noch mit weiteren 20,4 Lebensjahren rechnen, Frauen mit 23,0 Jahren.
4. Die Sterberate beträgt rund 7,9 pro 1'000 Einwohner (Bundesamt für Statistik)
Im Jahr 2024 lag die rohe Sterberate in der Schweiz bei 7,9 Todesfällen pro 1'000 Einwohnerinnen und Einwohner. Damit liegt die Schweiz im europäischen Vergleich im unteren Mittelfeld.
Mit der demografischen Alterung wird die Sterberate in den kommenden Jahren voraussichtlich leicht ansteigen, was die Nachfrage nach Bestattungsdienstleistungen und Trauerbegleitung erhöht.
5. Eine Bestattung kostet im Schnitt CHF 6'000 bis 10'000 (Trauerportal.ch)
Eine durchschnittliche Bestattung in der Schweiz kostet zwischen CHF 6'000 und CHF 10'000, je nach Bestattungsart, Kanton und Umfang der Trauerfeier. Andere Quellen nennen für eine schlichte Beerdigung Bandbreiten von CHF 4'000 bis CHF 8'000.
Die Kosten setzen sich aus den Leistungen des Bestattungsunternehmens, kommunalen Friedhofsgebühren, Sarg oder Urne, Trauerfeier sowie Grabstein oder Grabschmuck zusammen.
6. Eine Kremation kostet ab CHF 350 bis 700 (Everlife)
Die reinen Kremationskosten liegen in der Schweiz im Schnitt zwischen CHF 350 und CHF 700. Damit ist die Feuerbestattung in der Regel deutlich günstiger als eine Erdbestattung – ein wichtiger Grund für ihre Beliebtheit.
Mit Trauerfeier, Urnenbeisetzung und weiteren Leistungen liegen die Gesamtkosten einer Kremation in der Regel bei rund CHF 4'000 bis CHF 7'000.
7. Die Schweiz ist Europameisterin bei der Kremation (Schweiz. Verband der Bestattungsdienste)
Rund 90 Prozent aller Verstorbenen in der Schweiz werden heute kremiert. Damit hat das Land eine der höchsten Feuerbestattungsraten weltweit und liegt im europäischen Vergleich an der Spitze, noch vor Tschechien.
Erdbestattungen machen heute nur noch rund 10 bis 15 Prozent aller Bestattungen aus – ein dramatischer Wandel gegenüber 1960, als die Kremationsrate noch bei knapp über 20 Prozent lag.
8. Friedhofsgebühren unterscheiden sich extrem von Gemeinde zu Gemeinde (Trauerportal.ch)
Die Friedhofsgebühren in der Schweiz weisen enorme regionale Unterschiede auf: Eine Untersuchung zeigte Gebührenunterschiede von bis zum 50-fachen für identische Leistungen zwischen verschiedenen Gemeinden.
Während Städte wie Zürich oder Basel viele Grundleistungen kostenlos anbieten, müssen Angehörige in anderen Gemeinden mehrere tausend Franken zusätzlich bezahlen.
9. 2,4 Prozent aller Todesfälle sind Freitodbegleitungen (fowid)
Im Jahr 2024 entfielen rund 2,4 Prozent aller Todesfälle in der Schweiz auf Freitodbegleitungen durch Sterbehilfeorganisationen wie Exit oder Dignitas. Das macht die Schweiz weltweit zu einem Sonderfall.
Die Schweiz ist eines der wenigen Länder, in denen assistierter Suizid nicht nur für Einheimische, sondern unter strengen Bedingungen auch für Personen aus dem Ausland zugänglich ist.
10. Exit Suisse romande hat 2024 rund 572 Freitodbegleitungen durchgeführt (Exit)
Die Westschweizer Sektion Exit Suisse romande begleitete 2024 rund 572 Personen in den selbstbestimmten Tod. In der Deutschschweiz liegen die Zahlen von Exit Deutsche Schweiz seit Jahren ebenfalls auf hohem Niveau.
Beide Exit-Organisationen zusammen sind die mit Abstand grössten Anbieter assistierter Suizide in der Schweiz und betreuen ausschliesslich Mitglieder mit Wohnsitz im Land.
11. Dignitas hat fast 15'000 Mitglieder aus 125 Ländern (Statista)
Dignitas zählte 2024 rund 14'996 Mitglieder aus 125 Ländern. Im Jahr 2024 reisten Menschen aus 36 Ländern in die Schweiz, um sich von Dignitas in den Freitod begleiten zu lassen.
Damit ist Dignitas zu einem internationalen Synonym für die «Schweizer Lösung» beim Thema Sterbehilfe geworden – mit allen ethischen und rechtlichen Diskussionen, die das mit sich bringt.
12. 36 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind konfessionslos (Bundesamt für Statistik)
Im Jahr 2023 gehörten bereits 36 Prozent der Schweizer Wohnbevölkerung keiner Religion an – mehr als jede andere Glaubensgruppe. Der Anteil ist damit erstmals höher als der Anteil der Katholikinnen und Katholiken.
Diese Verschiebung wirkt sich direkt auf die Trauerfeiern aus: Säkulare und individuell gestaltete Abschiedsfeiern werden zunehmend zur Norm, während klassische Kirchenbegräbnisse seltener werden.
13. 31 Prozent sind katholisch, 21 Prozent reformiert (Bundesamt für Statistik)
Trotz der Säkularisierung bleiben die Landeskirchen prägend: 31 Prozent der Bevölkerung sind katholisch, 21 Prozent gehören zur evangelisch-reformierten Kirche. Daneben wachsen muslimische, orthodoxe, hinduistische und buddhistische Gemeinschaften.
Diese religiöse Vielfalt führt zu einer entsprechend grossen Bandbreite an Bestattungsritualen – von der klassischen katholischen Messe über reformierte Trauerfeiern bis hin zu muslimischen Erdbestattungen.
14. In Basel-Stadt sind über 56 Prozent konfessionslos (Bundesamt für Statistik)
Die Konfessionslosigkeit ist regional sehr unterschiedlich verteilt: In Basel-Stadt gehören 56,5 Prozent der Bevölkerung keiner Religion mehr an, in Neuenburg 54,7 Prozent. Am tiefsten ist der Anteil mit 16,7 Prozent im Kanton Appenzell Innerrhoden.
Generell ist die Konfessionslosigkeit in städtischen Gebieten (38 Prozent) deutlich verbreiteter als in ländlichen Regionen (30 Prozent).
15. Rund ein Viertel der Bevölkerung wurde im Ausland geboren (Bundesamt für Statistik)
Mehr als 25 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung in der Schweiz wurden im Ausland geboren – einer der höchsten Werte in Europa. Sie bringen zahlreiche Bestattungstraditionen aus aller Welt mit.
Hinduistische Kremationsrituale, muslimische Erdbestattungen am Tag des Todes, italienische oder portugiesische katholische Riten und vieles mehr prägen heute den Alltag Schweizer Bestattungsunternehmen.
16. Alternative Bestattungsformen gewinnen an Bedeutung (SWI swissinfo.ch)
Neben klassischen Friedhofsbestattungen werden alternative Formen immer beliebter: Waldbestattungen («Friedwald»), Naturbestattungen, Diamantbestattungen und Asche-Verstreuung im Hochgebirge oder in einem Schweizer See.
Diese Entwicklung passt zum Trend hin zu individueller und naturverbundener Trauer – und zu den hohen Friedhofsgebühren in einigen Gemeinden.
17. Grabstellen sind je nach Gemeinde sehr unterschiedlich teuer (Everlife)
Während in vielen Gemeinden Reihengräber für Wohnsitzpflichtige kostenlos sind, kosten Familiengräber, längere Grabnutzungszeiten und besondere Lagen oft mehrere tausend Franken zusätzlich.
Auch Urnennischen in Kolumbarien und Gemeinschaftsgräber unterscheiden sich preislich stark zwischen den Kantonen – ein wichtiger Punkt bei der finanziellen Planung der Bestattung.
18. Vorsorgeverträge werden immer beliebter (Helvetic Care)
Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer schliessen zu Lebzeiten einen Bestattungsvorsorgevertrag ab oder hinterlegen ihre Wünsche schriftlich. Damit entlasten sie ihre Angehörigen sowohl finanziell als auch emotional.
Diese Vorsorge umfasst meist die Wahl der Bestattungsart, der Trauerfeier, der Musik sowie konkrete Vorgaben zum Sarg oder zur Urne.
19. Die Trauerrede ist das emotionale Zentrum der Abschiedsfeier (Schweiz. Verband der Bestattungsdienste)
Die Trauerrede gilt in der Schweiz als eines der wichtigsten Elemente einer Abschiedsfeier. Ob von Angehörigen, Freunden oder einer freien Rednerin gehalten – sie würdigt das Leben der verstorbenen Person und schenkt den Trauernden Trost.
Eine gelungene Trauerrede verbindet persönliche Anekdoten, prägende Charakterzüge und das Wirken der verstorbenen Person zu einem stimmigen Ganzen.
20. Eine typische Trauerrede dauert 5 bis 10 Minuten (DeinAdieu)
Erfahrene Bestatter und freie Rednerinnen empfehlen für eine Trauerrede eine Länge von rund 5 bis 10 Minuten. Das entspricht etwa 600 bis 1'200 Wörtern – genug Zeit, um persönliche Geschichten zu erzählen, ohne die Trauergemeinde zu überfordern.
Eine klare Struktur mit Einleitung, persönlichen Erinnerungen und Schlussworten hilft besonders ungeübten Rednerinnen und Rednern.
21. Freie Trauerfeiern werden in der ganzen Schweiz beliebter (SWI swissinfo.ch)
Mit dem Rückgang kirchlicher Bindungen entscheiden sich immer mehr Familien für freie Trauerfeiern, die individuell gestaltet werden können – mit Lieblingsmusik, Fotos, persönlichen Texten und freien Rednerinnen statt liturgischer Vorgaben.
Die Trauerrede rückt dabei ins Zentrum der Feier und übernimmt die Funktion, die in traditionellen Gottesdiensten der Predigt zukommt.
22. Persönliche Erinnerungen machen jede Trauerrede stärker (DeinAdieu)
Trauerbegleiterinnen betonen immer wieder: Eine personalisierte Trauerrede – mit konkreten Anekdoten, Eigenheiten und Originalzitaten – tröstet die Hinterbliebenen sehr viel mehr als allgemeine Floskeln.
Wer kleine, charakteristische Details aus dem Leben der verstorbenen Person aufgreift, hilft den Trauernden, das Bild des geliebten Menschen ein letztes Mal lebendig vor Augen zu haben.
23. Eine Trauerrede zu schreiben gehört zu den schwersten Aufgaben in der Trauer (Condolere)
Viele Hinterbliebene beschreiben das Verfassen einer Trauerrede als eine der schwierigsten, aber auch wertvollsten Aufgaben während der Trauerphase. Ein ganzes Leben in wenige Minuten zu fassen verlangt Klarheit und Mut zur Reduktion.
Trotz der Schwierigkeit kann das Schreiben und Halten einer Rede sehr heilsam sein – als bewusster Akt des Abschieds und als Geschenk an die Trauergemeinde.
24. Sprachliche Vielfalt prägt Schweizer Trauerfeiern (Bundesamt für Statistik)
Die Schweiz ist ein viersprachiges Land: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Bei Trauerfeiern kommt es deshalb häufig vor, dass Reden in mehreren Sprachen gehalten oder zumindest einzelne Passagen übersetzt werden.
Hinzu kommen Migrationssprachen wie Englisch, Portugiesisch, Albanisch, Serbokroatisch oder Türkisch – ein Spiegel der modernen, vielfältigen Schweizer Gesellschaft.
25. Kulturelle Vielfalt bereichert die Schweizer Bestattungspraxis (SWI swissinfo.ch)
Von katholischen Gottesdiensten in Tessiner Bergdörfern über reformierte Abdankungen in Bern bis zu hinduistischen Kremationsritualen oder muslimischen Erdbestattungen in Genfer Quartieren – die Bestattungslandschaft der Schweiz ist ein Mosaik unterschiedlicher Traditionen.
Trauerreden in der Schweiz greifen diese Vielfalt häufig auf und verbinden persönliche Erinnerungen mit kulturellen, religiösen und sprachlichen Wurzeln der verstorbenen Person.
Die Bestattungslandschaft in der Schweiz wandelt sich rasch: Mit einer Kremationsrate von rund 90 Prozent, einer wachsenden Zahl konfessionsloser Menschen, der etablierten Sterbehilfe und einem klaren Trend zu individuellen, freien Trauerfeiern. In allem bleibt die Trauerrede das emotionale Herzstück des Abschieds – ob in einer Bergkirche, im Krematorium einer Grossstadt oder bei einer freien Naturbestattung. Eine sorgfältig vorbereitete, persönliche Rede gibt der Trauer eine Stimme, würdigt ein gelebtes Leben und schenkt den Hinterbliebenen Trost.